Schatzfund in Mölln

+++Schatzfund im Möllner Rathaus+++Schatzfund im Möllner Rathaus+++

 

So oder ähnlich hätte die Sensationsnachricht um 1870 lauten können. Für über 100 Jahre unbeachtet,  fand man bei Bauarbeiten auf dem Dachboden des Möllner Rathauses eine alte Kiste, die völlig in Vergessenheit geraten war. 

Sie enthielt 2 silberne Pokale sowie 10 identische Trinkbecher, die ebenfalls aus Silbergefertigt wurden – 4.174 g wertvolle Stadt- und Kulturgeschichte.

Heute stehen diese kostbaren Objekte aus dem 16. und 17. Jahrhundert in den rekonstruierten Wandnischen der Ratsdiele – und somit an dem Ort, wo sie vor dem jahrzehntelangen Verschwinden für feierliche Zwecke gebraucht wurden.

 

Arthur Pabst, Kunsthistoriker, schrieb nach der Wiederentdeckung folgendes:

„Es sind also die Trinkgefäße des ehrbaren Rates, der in weiser Erkenntnis, daß ein guter Trunk den Sinn der Männer milder stimmt, wichtige Beratungen beim Wein aus den Keller der Stadt gehalten haben wird…“. (1887)

Es ist ein ungewöhnlicher Glücksfall, dass Mölln diese schönen Produkte des norddeutschen Silberschmiedehandwerks behalten hat. Vergleichbare Stücke aus Kleinstädten dieser Zeit gibt es selten.

Sie sind von innen feuervergoldet; besonders der hohe Pokal weist zahlreiche kleine, fein ausgearbeitete Verzierungen auf.

Die Anfertigung eines solchen Stückes war eine Aufgabe für die Meisterprüfung; Pokal dieses Typs nennt man „Akelei- oder Buckelpokal“ wegen der halbrunden Ausbuchtungen in der Wandung. Eine Jahreszahl verweist auf 1645.

Der kleine Pokal ist einfacher gestaltet und entspricht in seiner Form eher einem Stück aus der Renaissancezeit. Er trägt die Jahreszahl 1581.

Die zehn Becher wurden 1604 angeschafft, das Wappen (Wassermühlrad) der Stadt Mölln weist sie als offizielle Trinkgefäße des Möllner Rates aus.

Meister- und Stadtmarken diese Stücke deuten darauf hin, dass es Produkte Lübecker und Hamburger Werkstätten sind.

Darf man aus diesen Bechern noch trinken? Ja, aber nur wenn Sie neuer Schützenkönig in Mölln werden. Der Bürgermeister muss ihn und sein Gefolge regelmäßig im Frühsommer einmal daraus bewirten…