Der Komiker Alexis als Eulenspiegel in Mölln

Das Eulenspiegeljahr war nach dem furiosen Auftakt auf eher verhaltene Resonanz in der Bevölkerung gestoßen: „Dann kam der 30. April mit dem Auftreten des Kabarettisten Alexis. Was monatelanges Organisieren nicht vermochte, vollbrachte sein Auftreten in Stunden. Ganz abgesehen von dem Erfolg des Tages mit seinen einzelnen Festlichkeiten interessierte sich plötzlich von kleinsten Hemdenmatz bis zum seriösen Geschäftsmann alles für das, was das Eulenspiegeljahr noch bringen würde.“


Der Kabarettist Alexis kam lediglich für einen Auftritt als Eulenspiegel im Rahmen des Eulenspiegel-Festjahres 1950 nach Mölln.

 

Die „Lübecker Nachrichten“ kündigten den Besuch am 28. April 1950 an:

 

„Mölln feiert Auftakt zum Eulenspiegel-Jahr [am 30. April]. Am Bahnhof wird der auferstandene Narr seine Gäste begrüßen. Der bekannte Komiker Alexis ist es, der sich diesmal die Schellenkappe über die Ohren zieht. Sein Temperament kann der Sache nur dienlich sein. Freier Ausschank von Bier, Schnaps und Limonate [!] soll auch die etwas zurückhaltenden Geister der Möllner anfeuern.“ Auf dem Markt wurde ein ganzer Ochse über offenem Feuer am Spieß geröstet. Rund 20.000 Menschen nahmen an der Veranstaltung teil:

 

„Klirrende Scheiben machten den Anfang auf dem Bahnhofsvorplatz. Mit kühnem Sprung aus einem Fenster stand Alexis Eulenspiegel inmitten der ungezählten Tausenden und sein Gruß an die Möllner Bürger: ‚Da bin ich wieder nach 600 Jahren und es sind dieselben Gesichter wie damals!‘ fand tausendfaches Echo. Heiterkeit lag auf allen Gesichtern, als Till in einem geschmückten Wagen zum Bauhof rollte. Ein auf dem Bauhof stehender Verkaufsstand wurde das Opfer Eulenspiegels. Trotz lebhafter Gegenwehr des Besitzers und des Rufes nach der Polizei gelang ein Bonbondiebstahl und ein Bonbonregen ergoss sich über die Menge. Auch der Marktplatz wurde zum Schauplatz der Narrenstreiche des Schalks, der die Möllner weidlich foppte.“

 

Im Ratssaal wurde dann dem Brauereibesitzer Carl August Waechter die Ehrendoktorwürde „Dr. eulenspiegeliensis h.c.“ verliehen wegen seiner Verdienste „um die liebende Pflege der Erinnerung unseres größten Mitbürgers Till Eulenspiegel“.