Knappe Kassen

Der nächste in der Reihe der Möllner Eulenspiegel war Helmuth Osterhof. Nach den vorliegenden Berichten trat er zuerst 1951 auf. Er war bis 1953 im Einsatz.


Zu seinen Anfängen als Eulenspiegel-Darsteller schreibt Osterhof Ende November 1952:

 

„Im Juni 1951 übernahm ich auf Bitten des Herrn Bürgermeisters die Rolle des Till Eulenspiegel, um der Stadt Mölln den Shell-Werken gegenüber das Prestige zu erhalten. Ich bin dann dabei geblieben, weil ich in meiner damaligen Situation eine Chance für mich sah. Wenngleich mir damals gesagt wurde, dass die Stadt nichts zahlen könne, glaubte ich doch, dass man erkennen würde, welchen Wert die richtig dargestellte Figur des Eulenspiegel für die Stadt hat. Es ist mir in der Folgezeit oft und oft […] bestätigt worden, „dass ich der richtige Mann“ dafür sei.“


Für die Sommermonate 1952 hatte man Osterhof dann auch per Magistratsbeschluss 200,- DM Aufwandsentschädigung bewilligt, diese dann aber wiederum per Magistratsbeschluss auf 150,- DM gekürzt. Für den Winter sollte Osterhof zwischen 5,- und 10,- DM pro Auftritt erhalten.

 

Osterhof empfand das als „Trinkgeld“ und protestierte dagegen, dass der Stadt seine Dienste so wenig wert waren:

 

„Es soll mir jetzt keiner erzählen, dass aus den daraus resultierenden Einnahmen der Stadt, für den Mann, der der Stadt zum großen Teil die Einnahmen bringt, nicht das Geld da sein soll, um ihn über den Winter zu bringen. Denn man ist sich doch auch darüber klar, dass Mölln ohne den Eulenspiegel ein netter Ausflugsort wäre, mehr aber auch nicht. Jede andere Stadt würde sich um eine solche Figur reißen. Es kann nicht angehen und ich will es einfach nicht glauben, dass man hunderte von Mark für neue Sitzkissen des Magistrats ausgibt und mich hungern und frieren lässt. Seit Wochen habe ist dreimal Mittagessen gehabt und das auch nur, weil ich dazu eingeladen war.“


So gekonnt das Schreiben auch formuliert war, der Magistrat lehnte es ab, Osterhofs Entschädigung als Eulenspiegeldarsteller zu erhöhen.


„Wir trafen ihn gestern auf der Straße und da erzählte er uns, dass er abtreten wird, Möllns ‚Eulenspiegel‘ Helmuth Osterhoff. Die Stadtväter haben beschlossen, in der kommenden Reisezeit einen Berufsschauspieler in die Narrenkappe zu stecken, und Helmuth Osterhoff wird sich einem ‚profaneren‘ Broterwerb zuwenden. Ob er ungern das Schelmengewand auszieht – wir wissen es nicht. Sicher ist aber, dass er den Ruhm für sich in Anspruch nehmen darf, sich der Freund von vielen tausend Fremden und –zigtausend Kindern zu nennen. Kein Ereignis der letzten Jahre, bei dem Osterhoff nicht seine Stadt vertreten hätte. Da war der Bundestagsausschuss für gesamtdeutsche Fragen in Mölln, da kamen die Teilnehmer an der westdeutschen Fremdenverkehrstagung, die schwedischen, dänischen, finnischen und norwegischen Forstfachleute, die in Bonn akkreditierten Auslandsjournalisten, das dänische Kinderballett, französische Studenten, schwedische Sportler, sie alle wurden ebenso von Helmuth Osterhoff empfangen wie die vielen, vielen Angehörigen auswärtiger Großfirmen, die nach Mölln ihre Betriebsausflüge gemacht haben. Fast 75000 Menschen sind es gewesen, die ‚Eulenspiegel‘ während seiner Dienstzeit in Empfang genommen hat. Für sie alle ist Helmuth Osterhoff kein Begriff, an den Eulenspiegel am Möllner Bahnhof werden sich jedoch viele von Ihnen erinnern.“


Einen besonderen Streich spielte Osterhof den Finanzministern der deutschen Länder, die auf ihrer Besichtigungsfahrt durch Schleswig-Holstein im Oktober 1951 Mölln besuchten. Am Eulenspiegelbrunnen erhielten die Minister zunächst eine Taufe, wobei Eulenspiegel „die Hoffnung aussprach, dass sei von der Weisheit, die in diesem Wasser liege, erleuchtet würden. Dann überreichte er ihnen ein riesiges Ferkel, das seit der Währungsreform vergeblich hochgefüttert worden sei. ‚Vielleicht gelingt es euch hohen Herren, es auf dem Weg nach Bonn so zu nutzen, dass es den Bundessäckel mit Dukaten fülle‘, meinte Till spitzbübisch. Zum Auffangen der Dukaten gab er den Ministern einen mit den Bundesfarben verzierten Beuten [mit der Aufschrift ‚Bundessäckel‘]. Schließlich spielte er den Gästen noch einen Streich, als sie sich zum festlich gedeckten Mittagstisch im Möllner Kurhaus niederließen. Die Minister hatten sich kaum gesetzt, als Eulenspiegel feststellte: ‚Im armen Schleswig-Holstein darf so frugal nicht getafelt werden!‘ und mit einem Wink die Tische abdecken ließ. Stattdessen wurde den verdutzten Ministern ein Eintopf serviert.“


Nach Osterhofs Weggang aus Mölln gingen bei der Stadt offenbar zwei Bewerbungen ein. Der Tenor Richard Reisser (Hamburg) hatte eine Monatsgage von 800,- bis1000,- DM im Sinn, was für die Stadt „unerfüllbar“ erschien. Auch die Vorstellungen des zweiten Bewerbers von 20,- DM Tagesgage plus Fahrgeld lagen über dem, was die Stadt bereit war zu zahlen.