Die Eulenspiegel-Darsteller bei den Festspielen der 1950er Jahre

Eulenspiegels Theater-Karriere hat schon früh begonnen. Der Dichter Hans Sachs (1494-1576) verwendete in einigen seiner Fastnachtsspiele Eulenspiegelgeschichten. In Mölln feierte man 1928 zum ersten Mal ein Eulenspiegelfest. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Idee erneut aufgegriffen.

 

Auf Empfehlung Carl Zuckmayers, der als Autor ebenfalls im Gespräch gewesen war, gaben die Möllner dem jungen Dramaturgen Wolf von Niebelschütz den Auftrag, für die Festspiele im August 1950 ein Eulenspiegelstück zu schreiben.

 

So entstand das Stück „Eulenspiegel in Mölln“, in dem der bekannte und beliebte Schauspieler Günther Lüders die Hauptrolle übernahm.


Die „Lübecker Nachrichten“ zitieren Lüders: „Freilichtaufführungen? Nichts für mich! Aber wenn ich schon einmal unter freiem Himmel spiele, dann nur auf diesem Marktplatz mit seiner einzigartigen Szenerie.“


Brillant war Lüders‘ Darstellung. Aus der Vielzahl der Presse-Reaktionen charakterisiert die folgende sein Spiel vielleicht am treffendsten: „Günther Lüders hatte seine große Rolle. Seine Komik war weit gespannt: vom Inferioren, Bösen bis zu jenem todesmutigen Zynismus, der in der Einsamkeit beheimatet ist und unter dem unsichtbaren Banner der menschlichen Freiheit zu Grunde geht. Er ist ein dreckiger Fuchs. Seine Komik wird urhaft unheimlich, wenn er, unter dem Mantel zusammengehockt, den traurigen Vogelruf ausstößt; wenn er seine Worte in Explosivlauten, in den stöhnenden beängstigenden Lüders-Lauten von sich gibt, oder wenn er schweigend, die Hände bizarr vorm Körper verkrampft, seine Augen zur Seite wandern lässt und mit listiger Verworrenheit in unsichtbare Fernen blickt – o, dann ist es, als ob einer – bei Gott oder beim Teufel – das Gras wachsen hörte“


Das „Hamburger Abendblatt“ schrieb: „Man wird jetzt immer Günther Lüders mit der Figur des Eulenspiegel verbinden. Kein sehr lustiger Schellenmann, kein Clown. Sein Humor ist gallenbitter. Ein hagerer, durchgeistigter Till, der die Habgier und die Dummheit seiner Mitmenschen noch über den Tod mit Eulenspiegeleien geißelt.“


1952, als Mölln die 750-Jahrfeier der Stadtrechtsverleihung beging, fanden die Festspiele erneut auf dem Marktplatz statt.

 

Der Hamburger Autor Paul Schurek schrieb das Stück „Eulenspiegel verkauft Mölln“. In der Titelrolle war der Schauspieler Richard Münch zu sehen.


Richard Münch war an verschiedenen großen deutschen Theatern engagiert, u.a. in den Kammerspielen in München und Hamburg, in den Jahren 1953 bis 1962 am Düsseldorfer Schauspielhaus und am Schauspielhaus Hamburg. Daneben war er ein gefragter Hörspielsprecher und trat auch in einigen Fernsehproduktionen auf. In der deutschen Jerry-Cotton-Reihe verkörperte er den FBI-Chef Mr. High und in dem Edgar-Wallace-Thriller „Das Gasthaus an der Themse“ (1962) spielte er den unheimlichen Hai-Taucher.


Obwohl das Publikum erneut begeistert reagierte, ließ sich das Vorhaben, aus den Festspielen eine dauerhafte Einrichtung zu machen, nicht umsetzen. Die Stadt zog sich aus der Organisation zurück, und nur der Vorsitzende des Kulturausschusses und „Eulenspiegel-Kurator“ Wolfgang Friedrich verfolgte das Projekt noch weiter. So fanden 1957 noch einmal Festspiele in Mölln statt. Das Stück stammte von Friedrich Hedler, umgesetzt wurde es von einem Lübecker Ensemble um den Hauptdarsteller Hermann Lenschau.


Für besondere Aufmerksamkeit sorgte in jenem Jahr ein „Skandal“, der von der Presse ins  Land getragen wurde und für besondere Werbung sorgte. Eine kirchliche Jugendgruppe hatte sich über die Darstellung einer Beichtszene empört und eine Absetzung des Stückes wegen Gotteslästerung verlangt. Der Protest blieb erfolglos, denn die Szene, die den lautstarken Unmut hervorgerufen hatte, stammte aus dem originalen Text des Eulenspiegelbuches und kritisierte gerade den Missbrauch der Sakramente!


Hermann Lenschau spielte ab 1947 an den Hamburger Kammerspielen, später an der Komödie Basel und am Thalia Theater in Hamburg.

 

Auch in einigen Fernsehrollen war Lenschau zu sehen, im „Kommissar“, bei „Derrick“, in der Serie „Fußballtrainer Wulff“ oder als Vorgesetzter von Zolloberinspektor Kressin im „Tatort“.

 

Auch auf einer Hörspiel-Schallplatte mit Eulenspiegels Streichen ist Hermann Lenschau zu hören – als Bäckergeselle.