Entstehung des Bienengartens

In Deutschland gibt es ca. 600 Wildbienenarten. Diese sind für das Gesamtökosystem und für die Landwirtschaft unentbehrliche Bestäuber. Ein Blick auf die Rote Liste zeigt, dass heute schon über 50 % der Wildbienenarten einer Gefährdungsstufe zugeordnet werden oder schon als ausgestorben klassifiziert werden mussten. Dabei hat sich der Trend durch einen zunehmenden Anbau von Monokulturen im ländlichen Raum in den letzten Jahren vervielfacht. Auch Honigbienen finden hierdurch immer weniger Nahrung und sind anfälliger für Krankheiten und Umweltveränderungen. Das „Bienensterben“ ist daher nicht mehr nur ein Randthema im Naturschutz sondern ein wichtiges gesellschaftliches Thema.

 

Von den vielen Wildbienenarten hat jede ihre eigene Spezialisierung bei Nahrung und Behausung. Vielfalt im Angebot an Nahrungspflanzen und Lebensräumen ist daher für den Wildbienenschutz unerlässlich. Etwas, das im ländlichen Raum immer weniger zu finden ist. Vertragsnaturschutzprogramme, die z.B. Anreize für den Anbau von Blühflächen schaffen sollen, sind aufgrund der enorm gestiegenen Boden- und Agrarpreise nicht mehr konkurrenzfähig. Die Folge ist eine immer stärkere ökologische Verarmung ländlicher Gebiete.

 

All das ist Anlass für uns gewesen, auf diesem Gebiet aktiv zu werden. Allerdings sind dafür viele einzelne Schritte notwendig. So soll vom Naturparkzentrum in den nächsten zwei Jahren eine Gesamtinitative für die Stadt Mölln ausgehen. Dabei wird es neben der Schaffung von wildbienenfreundlichen Strukturen und Lebensräumen auch um Aufklärungsarbeit gehen. Geplant sind:

  • Die Ausbildung von sogenannten Bienenbotschaftern – Multiplikatoren, die zum Thema geschult werden und die vermittelten Inhalte in Kindergärten und Schulen tragen.
  • Der Bau eines Wildbienengartens im Wildpark als Ideengeber für den eigenen Garten und als Praxisort für Fachschulungen.
  • Die Umwandlung bzw. Gestaltung ausgewählter kommunaler Grünflächen im Sinne des Wildbienenschutzes.
  • Wildbienen-Patenschaften zu generieren – Privatpersonen finden und beraten, die im eigenen Garten, auf Balkonen oder Brachflächen kleinräumige Strukturen mit Blütenvielfalt und Nistmöglichkeiten schaffen möchten.

 

Der erste Projektbaustein konnte bereits diesen Monat mit der Hilfe von Jugendlichen aus insgesamt zehn verschiedenen Ländern angegangen werden. In der Zeit vom 2. bis 16. Juli arbeiteten die Jugendlichen im Rahmen eines internationalen freiwilligen Jugendarbeitseinsatzes (ijgd) für den Naturschutz. Die Gruppe der Ehrenamtlichen war dabei auf dem Gelände das Naturparkzentrums untergebracht und widmete sich unter der Leitung der Naturschutzstation Lauenburgische Landschaften mehreren Naturschutzprojekten im Kreis. Unter anderem legte die Gruppe die Grundsteine für den Wildbienengarten. Gegenüber des Ziegengeheges im Wildpark entstand in mehreren Tagen schweißtreibender Arbeit eine kniehohe Trockensteinmauer in Form eines Schmetterlings. Das hierfür benötigte Material wurde vom Reformhaus Waldorf, dem Autohaus Riemer sowie vom Kieswerk Ohle & Lau teilfinanziert. In weiteren Arbeitsschritten werden innerhalb dieses Grundmusters bis zum Herbst Bereiche mit unterschiedlichen Blühpflanzenmischungen angelegt werden. Anfang des kommenden Jahres soll dann im Kopfbereich des Falters eine Rundhütte entstehen, die neben diversen Nisthilfen u.a. auch ein Bienenvolk beherbergen wird.