„Ein zäher Bursche“: Mario Schäfer

Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger für Waldemar Ave nahm lange Zeit in Anspruch. Schon Ende 1989 hatte die Kurverwaltung bekannt gegeben, dass man auf der Suche nach einem neuen Darsteller sei. Das Medien-Interesse war groß. Im Frühsommer 1990 konnte der Leiter der Kurverwaltung, Robert Spuler, im zuständigen Ausschuss bekannt geben, dass sich 15 Bewerber für den ungewöhnlichen Posten gemeldet hatten. In den persönlichen Gesprächen mit den Aspiranten kristallisiere sich ein engerer Kern heraus, darunter „ein Laienschauspieler aus der DDR, der seine Bewerbung mit vielversprechenden Entwürfen für künftige Ansprachen versehen hatte.“


Drei Kandidaten stellten sich Ende August im Kurausschuss vor. Der Ausschuss entschied sich schließlich für den damals 27-jährigen Mario Schäfer aus dem thüringischen Stützerbach, der „neben seinem Beruf als Schwimmmeister bereits auf einschlägige Erfahrungen verweisen kann: Im thüringischen Karneval schlüpfte er öfters in Tills bunten Narrenrock.“ Gelernt hatte Mario Schäfer zunächst Koch und Kellner.


Ende September 1991 wurde der neue Eulenspiegel vorgestellt, der zunächst eine dreijährige „Lehrzeit“ absolvieren sollte. Presse, Rundfunk und Fernsehen waren zur offiziellen Präsentation erschienen. Seinen Dienst bei der Kurverwaltung trat Mario Schäfer im Juni 1992 an. Seinen ersten Auftritt absolvierte er in einer Heroldstracht. Es war nicht beabsichtigt, den Eulenspiegel als Duo auftreten zu lassen, der „Neue“ sollte daher erst einmal die auswärtigen Auftritte bei Messen und ähnlichen Veranstaltungen übernehmen. Offizieller Amtsantritt war dann am 30. Mai 1994.


Als „zäher Bursche“ erwies sich Mario Schäfer bei den Eulenspiegel-Festspielen 1997, bei denen er noch nicht die Titelrolle verkörperte. Bei der Generalprobe stürzte er auf das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes und zog sich eine schmerzhafte Fraktur am Oberschenkel zu. Trotzdem biss er die Zähne zusammen und trat bei den Festspielen auf. Er stand alle zehn Aufführungen durch, ehe er schließlich im Krankenhaus operiert werden musste.


1999, anlässlich seines fünfjährigen Dienstjubiläums, formulierte Mario Schäfer sein Bekenntnis: „Nur wenn wir ehrlichen Herzens Kritik üben, bringt uns das weiter.“ – „Ich habe niemals vergessen, wo ich herkomme. Und auch, wenn es reizvoll und eine hohe Kunst war, Probleme nur durch die Blume sagen zu können – aber mir ist immer bewusst, dass die Meinungsfreiheit das höchste Gut der Demokratie ist. Einen Maulkorb werde ich deswegen auch niemals dulden.“


Mario Schäfer starb unerwartet am 4. April 2017 im Alter von 52 Jahren.