Eduard Ave

So kam Eduard Ave zum Zuge, der als Darsteller bereits bei den Festspielen der Jahre 1950 und 1952 mitgewirkt hatte. Ave war am 29. Januar 1908 in Berlin-Wilmersdorf geboren worden und lebte Anfang der 1950er Jahre in Gretenberge.

 

Offenbar war er schon 1950 aufgefordert worden, sich als Eulenspiegel zu bewerben, hatte damals aber abgelehnt, da er sich „inzwischen anderweitig ausgerichtet“ hatte.


Senator Zarmsdorf brachte den Vorschlag, Ave zu engagieren, im Magistrat ein. 350,- DM sollte Ave als Zeitangestellter erhalten: „Es soll noch erwogen werden, wie man den Darsteller über die Saison hinaus der Stadt nutzbar machen könnte. Ave ist techn. Kaufmann, Motorrad- und Fahrrad-Sachverständiger, zeitweilig gewesener Lehrer an einer Metallberufsschule“.

 

Schließlich wurde Ave außerhalb der Saison für verschiedene Arbeiten in der Stadtverwaltung eingesetzt.

 

Ein erster Einsatz Eduard Aves als Eulenspiegel ist schon für den Mai 1953 belegt.


In der Akte „Eulenspiegeldarsteller“ sind einige begeisterte Zuschriften erhalten von Gästegruppen, die von Ave empfangen worden sind:

 

„Mit viel Takt, Geist und Gewandtheit hat er es verstanden, uns freudig zu stimmen“, schreibt ein Regierungsamtmann für den Festausschuss des Rechnungshofes der Hansestadt Hamburg.

 

Die Direktion einer Versicherungsgesellschaft schreibt, dass Ave es „meisterhaft verstand, uns die Schönheiten und die besondere Atmosphäre Ihrer Stadt nahezubringen. Sie könnten wirklich keinen besseren Werber für Ihre Stadt haben! Mit viel Esprit spielte er seine Rolle nicht nur als Spaßmacher und Unterhalter, sondern als begeisterter Möllner.“


Dagegen gibt es aber auch Beschwerden. Ein Schulrat empört sich: „Inhalt und Form dieser Erzählung waren für die Kinder völlig untragbar, weil sie unanständig waren.“

 

Ein Porträt des Eulenspiegel-Darstellers beschreibt den gebürtigen Berliner als jemanden, der „mit Leidenschaft dem Laienspiel gehuldigt hatte“:


„Eduard Ave kennt seinen Till, und er kennt sein Metier. In alten Quellen hat er die Wege und Gedankengänge seines Vorbildes aufgespürt. Selbst mit einer guten Portion Mutterwitz ausgestattet, verfolgt er mit wachem Blick und drastischem Humor die Narretei dieser Welt […] Je altväterlicher und wahrer er die Dinge beim rechten Namen nennt […], desto größer sei der Applaus derjenigen, denen er den Spiegel vorhält […] Begrüßungsadressen an hochgestellte und bekannte Persönlichkeiten hat der moderne Till schon richten müssen, so an Bundestagspräsident Gerstenmaier, an Mona Baptiste, an den Gesandten Timoschentko von der sowjetischen Botschaft in Bonn und an indonesische Diplomaten. Zahlreiche Erinnerungsstücke und gebündelte Packen Post aus aller Welt zeigen, dass Till viele Freunde gewonnen hat. [Er] ist mehr ein Weiser als nur Schalk. […] damit er ‚ankommt‘ bei seinen zahlreichen ausländischen Besuchern, hat er sich intensiv mit Sprachen befasst. Auf Englisch, Französisch, Dänisch, Norwegisch, Schwedisch und sogar auf Flämisch weiß Eduard Ave die Besucher Möllns anzusprechen.“


In Aves „Ordenssammlung“, die er der Presse 1963 stolz präsentierte, fanden sich Auszeichnungen von Fastnachtsveranstaltungen in Württemberg, Bayern, der Pfalz und im Rheinland. Dazu kamen Orden von Karnevalsgesellschaften in Aachen und Kaiserslautern, Ehrennadeln von Sportvereinen, Schützengilden, Feuerwehren und Heimatverbänden.

 

Ave war bis 1964 Möllns Eulenspiegel. Die Möllner SPD-Zeitung „De Uhlenspeegel“ widmete E. Ave im September 1981 ein Porträt:


„Der im Jahre 07 in Berlin Geborene hat ursprünglich den technisch-kaufmännischen Beruf angestrebt, weil sein Interesse Fahrzeugen und Motoren galt. Er hat im Großhandel volontiert uns in mehreren Werkstätten gearbeitet. Seine beruflichen Stationen waren Hamburg, Kiel, Dresden, Leipzig, Düsseldorf, Stettin. In Frankreich absolvierte er ein kurzes Studium. Im Lokstedter Lager schulte er als Gewerbehilfslehrer für Mathematik und Fachrechnen Arbeitslose um. Dabei lernte er bei Itzehoe seine Frau Josephine kennen […] Eduard Ave war bis Kriegsende Soldat und wurde als Offizier entlassen. Aus kurzer amerikanischer Kriegsgefangenschaft ist er getürmt. Nach Mölln kam er durch Wohnungstausch aufgrund einer Anzeige. Hier war sein Job Holzfäller und Munitionsvernichter. Letztere Tätigkeit übte er als Sprengmeister auch in Hamburg aus. Seinem Hobby als Laienschauspieler frönte er in Ratzeburg. Dabei wurden Möllner Stadtväter, die einen Eulenspiegeldarsteller suchten, auf ihn aufmerksam. […] Als der damalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Kai-Uwe von Hassel, aus Anlass eines internationalen Städtetages mit 200 Ausländern anreiste, hat Eduard Ave als Till die Gäste in 7 (!) Sprachen begrüßt […] Für besondere Anlässe fertigte ihm der Eulenspiegelkurator Dr. Wolfgang Friedrich den Text. Der Zusammenarbeit mit Dr. Friedrich, der Ave viele Anregungen gab, gedenkt er heute noch dankbar.“


Eduard Ave starb kurz vor seinem 90. Geburtstag im Oktober 1997. In seinem Nachruf schrieb Heinz Kiesbauer:

 

„Eduard Avé, dem der Accent d’aigu über dem e seines hugenottischen Familiennamens irgendwann lästig wurde, war zwölf Jahre lang – von 1953 bis 1964 - der offizielle Möllner Till Eulenspiegel. Für diese Aufgabe nutzte er auch seine Sprachkenntnisse, die er sich als reisender technischer Kaufmann angeeignet hatte […] Einmal galt es, das auch auf Ungarisch zu tun. Das war schwierig. Till Eduard paukte nächtelang. Und er war erfolgreich. Als die Gäste eintrafen, spulte er den Text fehlerfrei ab. Nur – die Gäste verstanden kein Wort. Sie kamen nicht aus Budapest, sondern von der Bundespost. […] Eduard Ave war auch ein großer Sportsmann. Bei den Soldaten hat er sogar geboxt. Als Trainer des damaligen TSV Mölln bildete er Fußballer aus, die später zu großem Ruhm kamen.“