1950 – Das Jahr des Narren

Das Jahr 1950 stand in Mölln ganz im Zeichen Till Eulenspiegels. 1350 soll der Narr in Mölln gestorben sein und aus Anlass des 600. Todesjahres ließen die Möllner kurz vor Beginn des neuen Jahres Eulenspiegel wieder aus dem Grabe steigen. Bürgermeister Rudolf M. Michelsen fordert auf zum „Kampf den Humorlosen und allen denen, die nicht lachen können.“


Die Stadt Mölln erhoffte sich von den geplanten Veranstaltungen einen spürbaren Aufschwung für den Tourismus.


In der Silvesternacht 1950 entstieg bei der Ansprache des Bürgermeisters zur Eröffnung des Festjahres Till Eulenspiegel in historischer Tracht (Schwarz-Rot) einer Grab-Attrappe und ernannte das Stadtoberhaupt zu seinem Stellvertreter und Ehren-Eulenspiegel.


Für die „Auferstehung“ Eulenspiegels aus dem Grab setzte sich Fritz Bülow die Narrenkappe auf. Im Laufe des Festjahres 1950 hat Bülow dann vor allem auswärtige Termine als Eulenspiegel wahrgenommen (z.B. bei Volksfest in Lübeck, beim Frühlingsfest in Hamburg, in Timmendorfer Strand und Brunsbüttelkoog). Hier konnte er für die Eulenspiegel-Festspiele werben, die der Höhepunkt des Festjahres in Mölln werden sollten.


Über einen dieser Auftritte in Lübeck berichteten die „Lübecker Nachrichten“ am 27. Juli 1950:

 

Im Rathaus wurde Till empfangen, ließ dort einen Bonbonregen auf die Kinder niedergehen und fuhr dann „in blumengeschmückter, historischer Hochzeitsdroschke zum Volksfestplatz“: „Der Bunte in der Kapuze rechtfertigte seinen Ruf, als er aus der Droschke sprang, um eine Schmalzkuchenbäckerei zu plündern. Es wäre ein Schlemmen geworden wie es im Buche steht, wäre das Festgebäck nicht mit Salz bestreut und mit Mostricht gefüllt gewesen: Die Eisfabrikanten ließen den Schalksnarren ruhig im ‚ewigen Eise‘ wühlen.“

 

Till versuchte sich als Dirigent im Bayernzelt, probierte einen Stand mit Luftballons zu plündern und wurde schließlich „wegen groben Unfugs, Verkehrsstörung und Plünderung“ verhaftet.

 

Das Jahr 1950 stand in Mölln ganz im Zeichen Till Eulenspiegels. 1350 soll der Narr in Mölln gestorben sein und aus Anlass des 600. Todesjahres ließen die Möllner kurz vor Beginn des neuen Jahres Eulenspiegel wieder aus dem Grabe steigen. Bürgermeister Rudolf M. Michelsen fordert auf zum „Kampf den Humorlosen und allen denen, die nicht lachen können.“


Die Stadt Mölln erhoffte sich von den geplanten Veranstaltungen einen spürbaren Aufschwung für den Tourismus.


In der Silvesternacht 1950 entstieg bei der Ansprache des Bürgermeisters zur Eröffnung des Festjahres Till Eulenspiegel in historischer Tracht (Schwarz-Rot) einer Grab-Attrappe und ernannte das Stadtoberhaupt zu seinem Stellvertreter und Ehren-Eulenspiegel.


Für die „Auferstehung“ Eulenspiegels aus dem Grab setzte sich Fritz Bülow die Narrenkappe auf. Im Laufe des Festjahres 1950 hat Bülow dann vor allem auswärtige Termine als Eulenspiegel wahrgenommen (z.B. bei Volksfest in Lübeck, beim Frühlingsfest in Hamburg, in Timmendorfer Strand und Brunsbüttelkoog). Hier konnte er für die Eulenspiegel-Festspiele werben, die der Höhepunkt des Festjahres in Mölln werden sollten.


Über einen dieser Auftritte in Lübeck berichteten die „Lübecker Nachrichten“ am 27. Juli 1950:

Im Rathaus wurde Till empfangen, ließ dort einen Bonbonregen auf die Kinder niedergehen und fuhr dann „in blumengeschmückter, historischer Hochzeitsdroschke zum Volksfestplatz“: „Der Bunte in der Kapuze rechtfertigte seinen Ruf, als er aus der Droschke sprang, um eine Schmalzkuchenbäckerei zu plündern. Es wäre ein Schlemmen geworden wie es im Buche steht, wäre das Festgebäck nicht mit Salz bestreut und mit Mostricht gefüllt gewesen: Die Eisfabrikanten ließen den Schalksnarren ruhig im ‚ewigen Eise‘ wühlen.“

Till versuchte sich als Dirigent im Bayernzelt, probierte einen Stand mit Luftballons zu plündern und wurde schließlich „wegen groben Unfugs, Verkehrsstörung und Plünderung“ verhaftet.


In Hamburg traf Eulenspiegel u. a. mit Max Brauer und Paul Nevermann zusammen.


Da Fritz Bülow beruflich eingebunden war und für die zahlreichen Termine nicht zur Verfügung stand, veranstaltete die Stadt im Rahmen des Eulenspiegel-Festjahres auch eine „Casting-Show“, um einen geeigneten Darsteller für die Rolle des Eulenspiegels zu finden.


Der damals 26-jährige Gerhard Bartelt ging im Juni 1950 als Sieger aus einem „Narrenwettbewerb“ der Stadt Mölln hervor. Bartelt, hatte wohl schon vorher einige Auftritte im Rahmen des Eulenspiegelfestjahres absolviert. In den „Lübecker Nachrichten“ erschien am 2. März 1951 ein Bericht über Gerhard Bartelt, in dem es heißt, er habe im Vorjahr (1950) 90.000 Menschen „empfangen und durch Mölln geführt“.


Dieser Bericht erwähnt, dass Bartelt „eigentlich […] Schlosser und Maschinenbauschüler“ sei: „Seit anderthalb Jahren aber gehört er der großen Armee der Arbeitslosen an. In seiner Eulenspiegel-Spielerei sieht er keine Beschäftigung, sondern nur eine Notlösung.“


Daneben war er für die Erwerbslosenausschüsse in Mölln und Geesthacht tätig sowie den Selbsthilfebauverein „Glaube und Tat“.


In einem Zeitungsbericht, der leider undatiert und ohne nähere Quellenangabe vorliegt, heißt es:


„Während die Erwachsenen in fieberhafter Arbeit die letzten Vorbereitungen treffen, treiben die Möllner Kinder in den Straßen mit dem vor wenigen Wochen gewählten Eulenspiegel II. ihren Scherz. ‚Uhl-Uhl‘ rufen sie, wenn er im Stadtbild auftaucht. ‚Erzähl uns doch eine Geschichte von deinen Streichen‘. Der Eulenspiegel II., ein in Mölln wohnender Student, tut es gern, denn die Stadt hat ihn für diese Aufgabe engagiert. Er empfängt und begrüßt die Gäste in Mölln, zeigt ihnen die Stadt und beantwortet darüber hinaus viele Briefe […] ‚Ich verdiene mir mit dieser Tätigkeit das Geld für das nächste Semester‘, gesteht Eulenspiegel II., ‚und außerdem habe ich selbst Freude an dieser Aufgabe. In der Festspielwoche werde ich die Gäste am Schlagbaum empfangen und Eulenspiegel – sein‘.“


Das Arbeitsamt wollte Bartelt wegen seiner Tätigkeit als Eulenspiegel aus der Liste der Arbeitssuchenden streichen und ihm auch keine Unterstützung mehr zahlen. Bürgermeister Franck wandte sich daraufhin an das Arbeitsamt: „Seine Entschädigung […] beläuft sich auf ca. 5.- DM pro Tag. Bei einer Beschäftigung von manchmal mehr als acht Stunden pro Tag ist dieses eine sehr bescheidene Vergütung.“ Der Bürgermeister bat daher, Gerhard Bartelt weiter als Arbeitslosen zu führen.